10 Praxisnahe Beispiele für ein Internes Kontrollsystem (IKS) im Bankenumfeld:

Abkürzungsverzeichnis
AbkürzungBedeutung / Erklärung (einfach erklärt)
AMLAnti-Money Laundering – Maßnahmen zur Geldwäscheprävention. Banken müssen verdächtige Transaktionen erkennen und melden.
BAFINBundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – deutsche Aufsichtsbehörde für Banken, Versicherungen und Wertpapierhandel.
BAITBankaufsichtliche Anforderungen an die IT – nationale Regeln der BaFin zur IT-Sicherheit, Informationssicherheit und Auslagerungssteuerung.
CRR / CRDCapital Requirements Regulation / Directive – EU-Regeln zur Eigenkapital- und Risikotragfähigkeit von Banken (Umsetzung von Basel III).
DORADigital Operational Resilience Act – EU-Verordnung (ab 2025) zu IT-Resilienz, Cybersecurity und Drittparteien-Risiken in der Finanzbranche.
FIUFinancial Intelligence Unit – nationale Zentralstelle zur Entgegennahme und Analyse von Geldwäsche-Verdachtsmeldungen.
GwGGeldwäschegesetz – deutsches Gesetz zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
IKSInternes Kontrollsystem – Gesamtheit aller Prozesse, Kontrollen und Richtlinien zur Risikosteuerung in einem Unternehmen.
ITInformation Technology – Informationstechnologie (z. B. Systeme, Netzwerke, Datenverarbeitung).
LCRLiquidity Coverage Ratio – Liquiditätskennzahl, die sicherstellt, dass eine Bank genug kurzfristige liquide Mittel für 30 Tage Stressszenario hat.
NSFRNet Stable Funding Ratio – Langfristige Refinanzierungsquote; soll sicherstellen, dass langfristige Kredite auch langfristig finanziert sind.
MaRiskMindestanforderungen an das Risikomanagement – zentrale BaFin-Regelung, die beschreibt, wie Banken Risiken steuern und kontrollieren müssen.
SAR / STRSuspicious Activity Report / Suspicious Transaction Report – Verdachtsmeldung im Rahmen der Geldwäscheprävention (an FIU).
SLAService Level Agreement – vertragliche Vereinbarung mit Dienstleistern über Qualität, Leistung und Kontrollmechanismen.
TLod / 3LoDThree Lines of Defense – Modell mit drei Verteidigungslinien im Risikomanagement: Operative Bereiche, Kontrollfunktionen, Interne Revision.
TreasuryAbteilung einer Bank, die Liquidität, Refinanzierung und Eigenanlagen steuert.
VaRValue at Risk – statistisches Maß, das das mögliche Verlustpotenzial in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit angibt.
Prozess / BereichRisiko (was passieren kann)Kontrolle (wer macht was, wie und warum)
1. KreditvergabeprozessKredit wird an zahlungsunfähigen Kunden vergeben → AdressenausfallrisikoVier-Augen-Prinzip: Kreditsachbearbeiter prüft Bonität (Scoring, Einkommen, Sicherheiten). Teamleiter oder zweiter Mitarbeiter kontrolliert Bewertung und genehmigt Kredit erst nach vollständiger Dokumentenprüfung.

Warum: Verhindert Fehlentscheidungen oder Interessenkonflikte und sorgt für objektive Kreditwürdigkeitseinschätzungen.
2. Handelsgeschäft (z. B. Wertpapierhandel)Händler überschreitet Positions- oder Verlustlimits → Marktpreisrisiko / operationelles RisikoLimitüberwachung: Handelsabteilung arbeitet mit systemisch hinterlegten Positionsgrenzen. Das Risikocontrolling überwacht in Echtzeit und prüft tägliche Reports.

Warum: Begrenzung individueller Fehlentscheidungen und Schutz vor Marktverlusten.
3. Zahlungsverkehr / TransaktionenBetrug oder fehlerhafte Überweisungen → operationelles Risiko / Fraud RiskAufgabentrennung: Ein Mitarbeiter erfasst Zahlung, ein anderer gibt sie frei. Für Beträge über einer Schwelle greift eine zusätzliche Systemkontrolle (z. B. IBAN-Validierung).

Warum: Trennung von Eingabe und Freigabe minimiert Betrugs- und Fehlerrisiken.
4. Bargeldbestand in der FilialeUnstimmigkeiten zwischen Kassen- und Buchbestand → operationelles Risiko / Diebstahl / FehlbuchungKassenprüfung: Filialleiter oder zweiter Mitarbeiter vergleicht täglich oder wöchentlich den physischen Kassenbestand mit Buchführung. Differenzen werden sofort dokumentiert und untersucht.

Warum: Stellt sicher, dass Bargeldbestände korrekt geführt sind und Unregelmäßigkeiten früh erkannt werden.
5. LiquiditätsmanagementFehlende Mittel zur Erfüllung kurzfristiger Verpflichtungen → LiquiditätsrisikoTägliches Liquiditätsreporting: Treasury erstellt Liquiditätsübersicht, Leiter Treasury prüft Kennzahlen (LCR, NSFR) und leitet Gegenmaßnahmen ein.

Warum: Gewährleistet Zahlungsfähigkeit und Einhaltung regulatorischer Mindeststandards.
6. IT- und Zugriffskontrolle (Datenschutz)Unbefugter Zugriff auf Kundendaten → IT- / DatenschutzrisikoAccess Reviews & Berechtigungskontrolle: Fachvorgesetzter beantragt Rechte (Need-to-know-Prinzip). IT-Abteilung vergibt Zugriff, ISB prüft quartalsweise Berechtigungslisten und deaktiviert inaktive Zugänge.

Warum: Minimiert Missbrauchsrisiken und erfüllt Datenschutzvorgaben (z. B. DSGVO, BAIT).
7. Outsourcing / DienstleistersteuerungDienstleister hält Sicherheits- oder Qualitätsstandards nicht ein → operationelles / ReputationsrisikoDienstleister-Monitoring: Fachbereich führt jährliche Leistungsüberprüfung (SLA-Reports, Zertifikate, Audits) durch. Compliance prüft Risiken nach MaRisk/BAIT.

Warum: Sichert, dass ausgelagerte Prozesse denselben Kontrollen unterliegen wie interne.
8. Geldwäscheprävention (AML)Verdächtige Transaktionen werden übersehen → Compliance- / ReputationsrisikoTransaktionsmonitoring & Screening: Automatisches AML-System analysiert Kundentransaktionen; AML-Team prüft Auffälligkeiten manuell und meldet Verdachtsfälle an FIU.

Warum: Erfüllt gesetzliche Pflichten (GwG) und verhindert Geldwäsche sowie Rufschäden.
9. Meldewesen / regulatorisches ReportingFehlerhafte oder verspätete Meldungen an Aufsichtsbehörden → Compliance-RisikoVier-Augen-Kontrolle & Plausibilitätsprüfung: Fachbereich erstellt Meldung; Risikocontrolling prüft Datenquellen, Vollständigkeit und genehmigt vor Abgabe.

Warum: Vermeidet Fehlinformationen gegenüber Aufsichtsbehörden und stellt regulatorische Konformität sicher.
10. Reputationsmanagement / ÖffentlichkeitsarbeitNegative Berichterstattung oder Krisenkommunikation → ReputationsrisikoKommunikationsleitlinie & Freigabeprozess: Pressemitteilungen werden von der Kommunikationsabteilung erstellt, vom Compliance Officer geprüft und erst nach Vorstandsfreigabe veröffentlicht.

Warum: Sichert konsistente Kommunikation und reduziert Risiko von Reputationsschäden.
11. Kundenanlage / Know Your Customer (KYC)Kundenstammdatensätze im System sind unvollständig oder veraltet -> Compliance-RisikoJährliche KYC-Überprüfung: Automatische Erinnerungen und verpflichtende jährliche Datenüberprüfung einführen.

Warum: Verstoß gegen Geldwäschegesetz, Sanktionen durch Aufsicht.